Vor 44 Jahren in den SN

Heute gewähren wir einen Einblick in das Lüngmoor, wie es im Juli vor acht Jahren aussah. Das letzte Foto zeigt, wer sich zu der Zeit  in offizieller Mission im Landschaftsschutzgebiet aufgehalten hat, nämlich unser damaliger Bürgermeister mit seinen beiden Stellvertretern. Sie hatten etwas zur Moor-Erhaltung geplant, was letztlich nichts geworden ist, weil nicht alle Parzellenbesitzer zustimmten.

Aber wir nehmen das zum Anlass für einen Rückblick in eine Zeit, als über mehrere Jahre eine Renaturierung durchgeführt wurde. Dazu stand nämlich heute vor 44 Jahren, am Dienstag, dem 26. Oktober 1982, der folgende Bericht in den „Schleswiger Nachrichten“:

 

Renaturierung des Lüngmoores bei Stolk soll fortgesetzt werden

Naturkundliche Lehrwanderung mit Landschaftspfleger Andresen

st. Stolk/Süderfahrenstedt In der nächsten Woche rollen sie wieder, die Baumaschinen im Lüngmoor, damit das 35 ha große Hochmoor bei Stolk seinem Urzustand einen Schritt nähergebracht wird. Zur Zeit ist es als Benthalm-Birken-Bestand davon noch weit entfernt, obwohl man schon deutliche Erfolge der Renaturierung sieht, mit der man vor vier Jahren begann. Davon überzeugten sich am Wochenende die Gemeindevertreter von Stolk und Süderfahrenstedt sowie die Jäger und Parzellenbesitzer des Moores. Sie waren von Stolks Bürgermeister Peter-Heinz Philipsen in die Gaststätte „Zum Langsee“ eingeladen worden, wo Landschaftspfleger Andresen die anstehenden Baumaßnahmen erläuterte.

Wie er erklärte, hätten mehrere Ortsbesichtigungen in diesem Jahr gezeigt, daß das größte Problem die Wasserhaltung sei. Vertreter der Universität und des Landesamtes für Naturschutz hätten geprüft, ob der Staat in dieses Projekt noch „Geld reinschießen“ solle, und dabei die klare Aussage gemacht, daß sich das lohne. Dabei habe man von dem Prinzip auszugehen, die Nässe zu halten und die Birken zu beseitigen, wo sie sichtbar eingingen, z.B. weil sie im Wasser stünden.

Es gelte, die bestehende Moormasse zu konservieren, ihr Wachstum zu fördern und die fortgeschrittene Mineralisierung zu stoppen. Von den Baumaßnahmen würde der westliche Abschnitt, zu dem das Moor ein ungewöhnliches Gefälle von drei Metern aufweise, am stärksten betroffen. Im Osten werde man lediglich die bestehenden Gräben einstauen und auf einer Länge von fünf bis zehn Metern so abdichten, daß das Wasser stehenbleibe.

Im Westen wolle man den Wasserabfluss durch in die Landschaft unauffällig eingepaßte PVC-Spundwände stärker kontrollieren, die bestehenden Verwallungen, durch Frost und Maulwurf aufgerissen, festwalzen und Gräben schließen mit aufgepreßtem Seitenhub. In Grabenprofilen müßten sich Torfmoose festsetzen, die das Wasser halten.

Auf Süderfahrenstedter Seite seien noch etwa einen halben Meter hohe Bodenwälle aufzuschieben; in den niederen Bereichen gehe dann die Birke wegen Übernässung ein. Im Graben, der die nördlichen landwirtschaftlichen Flächen entwässere, solle ein Mönch eingebaut werden, mit dem der Abfluß reguliert werden könne.

An dieser Stelle, wo vor Jahren der Birkenbestand großflächig entfernt worden ist, werde durch den Überstau ein Niedermoor mit größerer offener Wasserfläche entstehen, die sich durch Verlandung zu einem Übergangsmoor entwickeln werde. „Das dauert aber noh 25 Jahre; da braucht man jetzt nicht dran zu denken“, faßte Andresen das größte Problem zusammen, nämlich den Leuten klarzumachen, daß nicht nur die Arbeiten förderungswürdig seien, deren Erfolg man sofort sehe.

Teilerfolge aber fielen den Wanderern doch bereits auf: Sphagnum bedeckt flächenhaft den Boden, Glockenheide hat die Besenheide weitgehend abgelöst, Rosmarin, Sonnentau und die für Niederwild nahrhafte Moosbeere – sie alle wurden gefunden, sind aber an die extremen Verhältnisse eines Hochmoores gebunden und daher vom Erhalt dieser Landschaft abhängig. Als dann einige sogar nasse Füße bekamen, wurde den letzten Zweiflern klar, daß die Urwüchsigkeit eines Moores ein anderes Biotop darstellt als ein aufkommender Birkenwald, und zwar einen für Pflanze und Tier wertvolleren.

Selbst wenn die hohen, noch nicht abgetorften Bänke auf Stolker Seite vom Einstau nicht profitieren, würde in weiten Teilen des Moores für folgende Generationen ein landschaftliches Juwel vor der Versteppung bewahrt.