Bevor dieser Monat zuende geht, erinnern wir an etwas Hochbrisantes, das sich im August vor 140 Jahren in Stolk zugetragen hat: die Einweihung der Schule in Stolkerfeld.
Die Gründe für den ungewöhnlichen Neubau einer zweiten Schule in Stolk reichen bis 1829 zurück.
Damals waren nämlich Helligbek und Kellerbude zu schulfreien Ortschaften erklärt worden. In den folgenden Jahren wurde allerdings die Stolker Heide urbar gemacht, und es bildete sich der langgezogene Ortsteil Stolkerfeld. Die Kinder dieser Neusiedler gingen nach Idstedt zur Schule – oder gingen eben nicht, weil sie sommertags das Vieh hüteten und im Winter die weiten Wege nicht schafften.
Deshalb wurden sie Ostern 1877 vom Lehrer ausgewiesen, der sie los sein wollte, weil sie „nur ein sehr mangelhaftes Wissen und Können besaßen“ (so die Schulchronik). Sie wurden daraufhin der noch weiter entfernten Schule in Niederstolk zugeteilt.
Da Helligbek und Kellerbude durch die Stolkerfelder Kolonisten mittlerweile den räumlichen Anschluss nach Osten erhalten hatten, waren diese Ortschaften auf Befehl der königlichen Regierung der Schulkommune Stolk zugeschlagen worden. Gegen diesen Zwang und die weite Entfernung wandten sich die betroffenen Bürger, indem sie auf ihr altes Recht der Schulfreiheit pochten und sich weigerten, die Schullasten in Stolk mitzutragen. Diese mussten auf dem Wege der Exekution eingetrieben werden.
Daraufhin wurden die Besitzer von Helligbek und Kellerbude beim Kirchenvisitatorium vorstellig und verlangten, dass das bestehende Stolker Schulhaus (heute Hauptstraße 42) abgebrochen und in die Mitte des Schuldistrikts verlegt werden sollte; doch unter dem Vorsitz des Hardesvogtes wurde dieses Anliegen „abgeschmettert“.
Dann aber inspizierte Schulrat Kaftan 1884 die Stolker Schule und beklagte, „dass es nicht möglich war, mittags 11 Uhr im Mittelgang des Lokals das auf die Schiefertafel Geschriebene zu lesen“. Eine bauliche Restaurierung müsse mehr Licht schaffen, und wegen der ungenügenden Leistungen der Unterstufe sei für diese ein eigener Raum zu erstellen. So wurde die alte Schule nach Westen erweitert. Das kostete jedoch Geld, und dieses mitzufinanzieren, weigerten sich diesmal nicht nur die Leute von Helligbek und Kellerbude, sondern auch die Siedler auf der ehemaligen Stolker Heide.
Nun war guter Rat buchstäblich teuer; denn die Stolkerfelder gaben nicht eher Ruhe, bis 1885 der Bau eines eigenen Schulhauses in der Mitte ihres Ortsteiles begann und jetzt vor 140 Jahren eingeweiht wurde. Unser zweites Bild vom Gebäude stammt aus der Zeit um 1980, als das Haus schon seit sechs Jahren keine Schule mehr war.