Stolk wird größer

Was bedeutete kürzlich dieser Handschlag? Was haben die Bürgermeister von Stolk und Süderfahrenstedt da besiegelt? Bei der Hintergrund-Recherche ist unser Reporter in die Tiefen seines Archivs hinabgestiegen und hat Sensationelles herausgefunden, einen echten kommunalen Knaller!

Ursprünglich ging es um diese Anlage:

 

 

Es ist das Wasserwerk von Südangeln, an das die Gemarkung von Stolk auf zählbare Schritte heranreicht. Das nahm schon Ehren-Bürgermeister Peter-Heinz Philipsen zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass das Wasserwerk fest in Stolker Hand ist.

 

 

Denn ohne den Stolker „Kuddel“ Kühl wäre der Betrieb seinerzeit gar nicht losgegangen. Sein Sohn als neuer Wassermeister und sein damaliger Stellvertreter sind beide Stolker.

 

 

Selbst heute ist der neue Stellvertreter ein echter Stolker.

 

 

Und seit seiner Gründung am 7. März 1977 hat der Wasserbeschaffungsverband bis heute keinen anderen Geschäftsführer gesehen als Uwe Börensen aus Stolk.

 

 

Da sei das doch vernünftig, wenn die Gemeindegrenze geringfügig verschoben wird, damit das Wasserwerk in Stolk liegt. Genau diesen Gedanken griff Bürgermeister Heiner Paulsen auf, wusste aber als Löschmeister der Reserve nur zu gut, dass man in Wasserfragen ohne die Freiwillige Feuerwehr nichts erreichen kann.

Also setzte er sich auf seinen Trecker

 

 

und tuckerte damit zum Wehrführer von Süderfahrenstedt, Heini Clausen. Ihm schenkte (ja, wahrhaftig!) er den alten Deutz, und so hatte die Nachbarwehr erstmals ein Tanklöschfahrzeug:

 

 

Im Vertrauen darauf, dass Heini als Dank dafür seinen Bürgermeister und unseren Verbandsvorsteher Heine Mattsen mit der obigen Idee erfolgreich bearbeiten würde, rief Heiner sein Volk zusammen: „Ihr Brüder, ich verkündige euch: Stolk wird größer!“

 

 

Das rief den NDR auf den Plan und Bürgermeister Heiner Paulsen musste im Paleg Rede und Antwort stehen:

 

 

So erfuhr der Süderfahrenstedter Gemeindearbeiter Volker Milosavljevic davon und rief spontan: „Ihr habt doch einen an der Marmel!“

 

 

Um weiterer Eskalation entgegenzutreten, reagierte daraufhin Heinrich Mattsen – aber nicht als Verbandsvorsteher, sondern in seiner Funktion als Bürgermeister. Er verkündete:

„Ich gelobe“, und fuhr dann fort in seiner plattdeutschen Muttersprache, „dat Woderwark un de Gemeen Süderfahrenstedt blieven tosamende op ewich ungedeelt!“

 

 

Diese Anleihe aus 1460 war ein Paukenschlag! Würde sich die Landesgeschichte hier im Kleinen wiederholen? Das wollte die heute noch als Nachrichtensprecherin bei Welle Nord bekannte Dortje Harders im Wasserwerk wissen:

 

 

 

Aber sie erfuhr dort nur, dass Heine Mattsens Gelöbnis unumstößlich sei, die Stolker Wasserwerker hingegen nicht aufgeben würden. Bewegung kam wieder in die Expansionsbestrebungen von Stolk nach der Kommunalwahl 2013. Da wurde in der aufstrebenden Gemeinde Friedrich Karde neuer Bürgermeister, und Wassermeister Hartmut Kühl zeigte unmissverständlich, „wo der Hammer hängt“. Fritz solle den Druck auf Verbandsvorsteher Mattsen erhöhen; „sonst zertrümmere ich Susis Auto!“

 

 

Daraufhin reagierte Fritz Karde bei der nächsten Besprechung im Baugebiet Scheidewiehe entschlossen: „Wer hier Wasserleitungen verlegt, muss durch und durch mitsamt seinem Firmensitz ein Stolker sein!“

 

 

Dann nahm er sich einen Mann mit, von dem er bereits ahnte, dass er später einmal wichtig und einflussreich sein würde, und zog den Bürgermeister von Böklund, Johannes Petersen, hinzu, um sicherzugehen, dass Böklund nicht auch noch Gebietsansprüche an das Wasserwerk stellt. Gemeinsam wurden sie bei Heinrich Mattsen vorstellig:

 

 

Nun sah sich Heine Mattsen in die Enge getrieben und bestellte die Delegierten aller Mitgliedsgemeinden ins Wasserwerk ein. Die Lösung sei ganz einfach, rief einer. „Dann lass die Stolker doch ganz Süderfahrenstedt eingemeinden. So bleibt das Wasserwerk bei euch und Stolk hat endlich, was es will.“

 

 

Damit war zunächst Zeit gewonnen; denn die Stolker überlegten hin und her, ob sie das überhaupt wollten. So vergingen die Jahre, und es kam die nächste Kommunalwahl. „Ich hab keine Lust mehr, Bürgermeister zu sein, wenn wir demnächst vielleicht eingemeindet werden“, seufzte Heinrich Mattsen, und so kam es zu dieser neuen Gemeindevertretung mit Johann Thomsen an der Spitze:

 

 

Kenner dieser Region sehen sofort: Ein gebürtiger Stolker gehört dazu. Und der erste stellvertretende Bürgermeister „Joschi“ Paulsen wurde infiltriert durch unseren neuen Bürgermeister, der ihm eine Schriftrolle mit wichtigen Papieren schenkte:

 

 

Darin stand ein für Süderfahrenstedt verlockendes Angebot: Stolk würde auf jegliche Ansprüche verzichten, wenn es auch nur eine von fünf vorgeschlagenen Herausforderungen nicht meistert. Die Aufgaben waren tatsächlich so schwer, dass die Nachbardörfler sofort darauf eingingen. Was sie nicht wussten: Unser Bürgermeister kannte und kennt seine Leute nur zu gut und weiß, wozu sie fähig sind. So blieb „Hanni“, wie die Fahrenstedter ihn nennen, völlig cool, als Johann verkündete: „Ihr könnt uns bei unserer Einwilligung übernehmen, wenn ihr die folgenden fünf Aufgaben schafft. Erstens muss die Stolker Feuerwehr bei Ausfall des Wasserwerks vor unserer unten am Langsee sein und Wasser in unser Dorf pumpen.“ Es kam, wie von Stolker Seite kalkuliert:

 

 

„Zweitens muss Eure Feuerwehr so vertraut mit Wasser sein, dass ihr in mindestens Staffelstärke mit Zeug in den See geht.“ Das ließen sich die Stolker nicht zweimal sagen:

 

 

„Drittens müssen sich  zwei Ur-Stolker in Tarnung an der Fischereiaufsicht vorbei auf dem Langsee aufhalten.“ Sehr zur Überraschung der Süderfahrenstedter wurde auch diese Hürde genommen:

 

 

Die beiden letzten „challenges“, wie es neudeutsch heißt, bezogen sich auf die Qualität des Wassermeisters aus Stolk. „Viertens muss Hacky eine Putzfrau mit einem Arm hochheben.“

Wer ihn kennt, weiß: Das hätte er auch mit links geschafft:

 

 

Bei der letzten Aufgabe waren sich alle Süderfahrenstedter einig: „Das schafft er nicht!“ Wie lautete der Auftrag? „Wassermeister Kühl soll so weit über allem stehen, dass es ihn völlig unberührt lässt, wenn eine auswärtige Majestät sich vor ihm verneigt.“ Das Ergebnis sehen wir hier – 5:0 für Stolk:

 

 

Die Freude über den Sieg verflog, als Johann Thomsen seine Trickkiste auspackte: „Ich habe nicht gesagt ´mit unserer Einwilligung`, sondern ´bei`; das ist ein Unterschied.“ Und tatsächlich klärte ein Fachanwalt über die bürokratische Behörden-Klauberei auf: ´Mit Einwilligung`heißt, sie gibt es; ´bei Einwilligung` bedeutet, wenn es sie gibt. Aber sie gab es nicht! Plötzlich waren die Fallensteller selbst die Reingelegten. So verging die Zeit, bis in diesem Frühjahr auf völlig unerwartete Weise sich die Lösung förmlich aufdrängte:

 

 

Ein bekannter Stolker hatte seinen Rucksack im Nachbardorf vergessen. Den entdeckte der dortige neue Bürgermeister Johannes Jessen und war begeistert: „So einen wollen wir auch haben!“ Aber das war nicht möglich; denn er ist patentiert und darf nur mit dem Stolker Wappen in Verkehr gebracht werden. „Das ist uns egal; wir wollen den haben. Dann werden wir eben Stolker.“

Dieser Ausspruch verbreitete sich in Windeseile. Sofort fuhr Bürgermeister Kai Börensen nach Süderfahrenstedt, und dort kam es mit seinem Amtsbruder zum legendären Handschlag, der die ganze Recherche ausgelöst hat.

Anschließend huldigte Johannes Jessen dem Ortsschild von Stolk:

 

 

und eine Delegation aus Stolk machte sich auf den Weg nach Süderfahrenstedt, um an der Gemeindegrenze in Stolkerheck schon mal Hand anzulegen an das Wappenschild, das bald nicht mehr nötig sein würde:

 

 

Und am Rand des Ortskerns von Stolk begann man mit der Auswechslung von Schildern. Wo vorher noch bekannte Süderfahrenstedter sagten: „Wenn ihr zu uns wollt – hier geht’s lang!“,

 

 

da prangt jetzt dieses Schild: Wo Stolk aufhört, kommt nichts mehr …

 

 

Spätestens jetzt war klar, dass die Öffentlichkeit merkt: „Da ist was im Busch.“ Unser Redakteur hat reagiert und Bürgermeister Kai Börensen zu einem Pressegespräch geladen:

 

 

„Ihr habt gerade am 19. März eine Sitzung der Gemeindevertretung gehabt, aber kein Wort verloren über diesen politischen ´Paukenschlag`. Wann wollt ihr denn die Bevölkerung informieren?“ Darauf kam die überraschende Antwort vom Bürgermeister:

„Dies Jahr gar nicht mehr. Wir haben die Neuordnung der Grenzen erstmal auf Eis gelegt.“ „Warum das denn?“ „Komm mal mit“, sagte Kai und führte seinen ´Pressefuzzi` an eine große Karte:

 

 

Dort zeigte er auf die Fläche nördlich des Langsees. „Vielleicht wird das alles Stolk. Idstedt hat nämlich Wind gekriegt von unserem Pakt mit Süderfahrenstedt und Einspruch eingelegt: ´Das könnt ihr doch nicht machen – ohne uns!`“ Und wann geht es nun weiter? „Wenn die Idstedter keine zu großen Forderungen stellen und alle Gremien mitspielen – in einem Jahr.“

Na gut, dann wartet unsere Redaktion eben auf den 1. April 2026……