Schleswig-Holstein

Am letzten August-Tag erinnern wir daran, dass in diesem Monat ein besonderer 80. Geburtstag gefeiert wurde: Schleswig-Holsteins Zeit als preußische Provinz wurde beendet durch eine Verordnung der britischen Militärregierung, die aus dem Territorium ein eigenes Land machte.

Das war aber keineswegs selbstverständlich; denn es standen auch andere Möglichkeiten zur Disposition: Wegen der gemeinsamen Ostseeküste ein Zusammenschluss mit Mecklenburg-Vorpommern; das aber gehörte zur sowjetisch besetzten Zone, und die Sowjets widersetzten sich dem vehement.

Auch eine Verbindung mit Hamburg war wegen der geringen Größe Schleswig-Holsteins angedacht, aber von der Großstadt massiv abgelehnt. Schließlich favorisierte sich die Idee eines Landes „Unterelbe“ heraus mit S-H, Hamburg und den einstigen Provinzen Hannover, Braunschweig und Oldenburg.

Aber die Lage in unserem Land war zu „vertrackt“: Die Einwohnerzahl war von 1,6 Mio. durch Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten auf 2,6 Mio. gestiegen (Stolk war zum Kriegsende von rund 600 Einwohnern auf über 1100 gewachsen), in sieben Landkreisen gab es mehr Flüchtlinge als Einheimische, jedoch keine Arbeit und Wohnung für so viele.

Hinzu kam der offensichtliche Versuch außerstaatlicher Interessenten, den Landesteil Schleswig abzutrennen durch eine Verschiebung der dänischen Grenze an die Eider. In dieser Gemengelage fiel der britischen Militärregierung keine andere Lösung ein als die am schnellsten umsetzbare, nämlich die einfache Beibehaltung des vormaligen Territoriums – nun aber als eigenes Land.

Interessant ist in dem Zusammenhang ein Blick zurück auf Stolk: Ein eigenes Land hätte man schon 1850 haben können, wenn nicht am frühen Vormittag des 25. Juli völlig unerwartet im Oberstolker „Süderende“ schleswig-holsteinische und dänische Truppenverbände aufeinandergetroffen wären.

In Unkenntnis des hier begonnenen Rückzugs der Dänen ließ der General in Idstedtkirche, irritiert und verängstigt durch den Gefechtslärm im Osten, zum allgemeinen Rückzug blasen.

Was wäre wohl gewesen, wenn er das nicht getan hätte? Die eigene Verfassung für Schleswig-Holstein (übrigens die erste demokratische auf deutschem Boden) war in Kiel längst fertig. Doch die Weltgeschichte wollte es anders.

So kam das eigene Land erst am verregneten Freitag, dem 23. August 1946, ohne Prunk und Pomp nur „mit einem Federstrich“. Und es blieb auch gar nicht lange; denn die britische, französische und amerikanische Besatzungszone, die in ihrer Gesamtheit von den Bewohnern scherzhaft „Trizonesien“ genannt wurde, schlossen sich im Mai 1949 zur Bundesrepublik Deutschland zusammen, und seitdem ist Schleswig-Holstein ein Bundesland.

Trotzdem ist der 23.8.1946 auch für Stolk ein wichtiges Datum für die Wiedereinführung der Demokratie. Darüber berichten wir am 23.9.: Dann steht dieser Geburtstag auch bei uns an.