Erste gewählte Gemeindevertretung

Am 31. August berichteten wir, dass die Gründung des zunächst eigenständigen Landes Schleswig-Holstein am 23.8.1946 auch für Stolk ein wichtiges Datum zur Wiedereinführung der Demokratie gewesen war; darüber würden wir am 23.9. berichten. Das ist heute, und wir klären auf:

Zum Kriegsende 1945 war Nicolaus Paulsen (Hauptstraße 2) von den Engländern als Bürgermeister eingesetzt worden, weil er in Bezug auf die Nationalsozialisten eine „reine Weste“ hatte. Dann aber, genau einen Monat nach dem Neubeginn auf Landesebene, war die Geburtsstunde der neuen Demokratie auch in Stolk: Ein neuer Gemeinderat wurde gewählt.

An die Spitze kam Heinrich Paulsen (Schmöhl 3a), der das Ehrenamt als Bürgermeister bis 1970 behielt. Unser zweites Foto (aus der Dorfchronik) zeigt ihn rechts in den 1920-er Jahren vor seinem (schwer zu erkennenden) Haus.

Bei den übrigen Gemeindevertretern ist uns vom Vornamen nur der Anfangsbuchstabe übermittelt. Nach Abgleich mit unserer Dorfchronik kommen wir unter der Annahme, dass nur Männer und Hausbesitzer gewählt worden sind, zu folgenden Mitgliedern der ersten frei gewählten Gemeindevertretung nach dem 2. Weltkrieg:

Peter Dreesen (Stolkerfelder Str. 9), Kaufmann Hans-C. Paulsen (Hauptstraße 8), Peter Reimer (Schwenshöh 6), Johannes Petersen (Stolkerfelder Str. 25), Jürgen Sohrt (Nordring 1), Hans Gudenrath (Stolkerfelder Str. 1), Theodor Gosch (Schwenshöh 7), Ferdinand Horn (Steinholzweg 2), Johannes Petersen (Am Toft 1/evt. Hauptstr. 56 – dieser wurde aber erst 1948 Besitzer), Nicolaus Paulsen (Hauptstr. 2) sowie V. Suhr, den wir allerdings nicht zuordnen konnten.

Als 13. Mitglied gehörte noch jemand zur Gemeindevertretung, der als einziger nicht aus der gesamten Einwohnerschaft wählbar war, sondern nur aus den Reihen der Flüchtlinge, die zu Hunderten damals in Stolk lebten. Dieser Flüchtlingsbeauftragte in der GV war Viktor Weda. Er wohnte mit seiner Frau Elli und Sohn Peter im Obergeschoss des Hauses Hauptstraße 29 gegenüber der damaligen Dorfschule (Nr. 42). Und nun wissen alle Leser, was das erste Foto dieses Beitrags bedeutet: Dort wohnte die kleine Familie Weda (die nach Viktors Tod nach Neuss/Rhein gezogen ist).