Mit Liebe zum Detail hat ein Frauen-Team unseres DRK-Ortsvereins den Saal der Gaststätte „Zum goldenen Stern“ herbstlich geschmückt, damit die Gäste des Ernteabends sich dort wohl und willkommen fühlen konnten. Dazu erwähnte Vorsitzende Heike Mordhorst in ihrem Dank auch die sechsjährige Tessa, die am Nachmittag zuvor gebastelt und beim Schmücken geholfen hatte. „Am wichtigsten war für uns, dass wir wieder Anneliese Dreesens Garten plündern durften“, dankte sie. Und die knapp 60 Gäste quittierten den aufwändig gestalteten Saalschmuck mit Applaus.
Den bekam auch Brigitte Kramer für den Vortrag eines vor 25 Jahren selbst verfassten Gedichts. Erst wenige Minuten vor Beginn war sie um ein Herbstgedicht gebeten worden; nicht sicher, ob sie es noch auswendig wusste, hat sie sich in Minutenschnelle Notizen gemacht, und das ist dabei herausgekommen:
Apfelträume
Der Apfel dort am Apfelbaum,
der träumt grad einen wirren Traum.
Der Wind, der hat ihn noch verschont,
weil er noch in der Krone thront.
Doch halt, der Mensch, er hat ihn schon erspäht,
rückt an mit allerlei Gerät.
Man will ihm an den Kragen
und im Korb nach Hause tragen.
„Ich werd mich auf der Stelle fallen lassen;
Fallobst, iih, wie die das hassen!
Doch halt, das gibt nur braune Flecken,
man wird mich in den Muustopf stecken.
Ich armer ´Cox`, was mach ich nur?
Ich möcht doch bleiben rund und pur.
Und bitte nicht am Baume schütteln
und kräftig an den Zweigen rütteln!
Du, Mensch, es ist zum Heulen,
das gibt nur dicke Beulen.
Verhalt mich hier ganz ruhig und stille,
denn es ist mein letzter Wille:
Bringt mich ganz sacht gleich in den Keller
und zum Christfest auf den bunten Teller.
Und glänz` ich dann bei Kerzenschein,
bei Tannenduft und Apfelwein,
werde dann auf´s Christkind warten
bei rotem Kohl und Gänsebraten.“
Nicht mit solchem Essen ging es weiter im Programm, sondern mit oberleckerem Rübenmus nebst allem, was zünftig dazugehört. Danach gab es noch reichlich Zeit für ausgiebige Gespräche in der Tischgesellschaft, weil erst ein unerwartet aufgetretenes technisches Problem gelöst werden musste, bevor der hauptsächliche Programmpunkt abgespielt werden konnte: ein Film über die letzte Kampagne der Zuckerfabrik in Schleswig von Ende September 2003 bis zum allerletzten Tag, dem 19.12.03. Trüber Nebel lag an jenem Tag über der Schlei, und Wehmut sprach aus dem Film, der nicht nur die Arbeitsabläufe der Rübenverarbeitung zeigte, sondern sich vor allem den Schicksalen der Menschen widmete.
Was würde aus ihnen werden, wenn ohne Vorwarnung die Fabrik endgültig abgewickelt sei? Nie hat die Schleswiger Zuckerfabrik rote Zahlen geschrieben. 100 Landwirte haben Rüben anliefern lassen; die vielen Rübenlaster sind auch den Stolkern noch in Erinnerung; für 100.000 Tonnen Zucker pro Kampagne hat das gereicht; noch zwei Jahre zuvor waren Arbeitskräfte aus anderen Bundesländern angeworben worden mit dem Versprechen „Schleswig ist sicher“.
Trotzdem war aufgrund einer EU-Verordnung Ende 2003 Schluss, und vor 20 Jahren wurde das Fabrikgelände an der Schlei dem Erdboden gleichgemacht.
So war dieser DRK-Abend eine Mischung aus sinnlichem wie köstlichem Erntegenuss und Wehmut über den Wandel, weil nichts bleibt, wie es war.