Irgendwann im Sommer 1936, also vielleicht genau jetzt vor 90 Jahren, ereignete sich auf dem linken dunklen Teil der mittig im Vordergrund gezeigten Koppel bei einer Feuerwehrübung das, was Nachkriegs-Maschinist Werner Nöhring (Jg. 1920) vor nunmehr 40 Jahren in seinem damaligen Wohnort Osterrönfeld unserem heutigen Reporter mitgegeben hat als „een wohre Geschicht vun Heine ut Schwenshöh – passeert bi een Öbung op Jürgensens Koppel bi Vogel, obends Klock söven“.
Wer das Geschehen in Versform gepackt hat, ob das auch Werner Nöhring war oder er nur das entsprechende Papier hatte, wird nicht mehr erinnert. Aber es zeigt, wie tief die Nazi-Diktatur bis auf die unterste Ebene gewirkt hat, und aus der Sicherheit des nachkriegszeitlichen Abstands heraus ist ein schalkhafter Grundton des Textes nur zu verständlich.
Wir geben mit dem Abdruck Werner Nöhring, aufgewachsen in Hauptstraße 31 und als Fahrer für die Stolker Meierei tätig sowie als Fahrer/Maschinist für die Freiwillige Feuerwehr, und Heinrich Hansen (Jg. 1898), Schwenshöh 2, ein Vermächtnis:
As dreeundördig keem in´t Land,
dor leeg dat klor wol op de Hand:
Vör jeden nich ganz eenerlei
keem Hitler ran mit sien Partei.
Du keemst to tellen kuum bit dree,
weerst in de En Es De A Pe.
Du kreegst verpasst een brunet Hemd,
een Kobbel, de de Buuk inklemmt,
twee lange Steebeln an de Been
un üm de Nack een Schullerrehm.
So weer een jeder bald inklemmt
in brune Büx, in brunet Hemd,
un bald harr jeder – groot as kleen –
üm sienen Nack een Schullerrehm.
Ok Füerwehr güng dor mit de Mod,
mit Waffenrock, ganz akkurot;
man kunn se wirklich good ansehn,
ok üm de Nack een Schullerrehm.
Keen Minsch kunn bald sik mehr versteken
(nich Füerwehr weer dor bloots to sehn),
de eene dee de anner wecken,
wenn so de Sünndachmorgen keem.
Denn güng dat los nah alle Sieden,
du hördest bloots noch kommandeern –
ok Minschen dormols weern verschieden:
Nich jeder hett dat Kuschen geern.
De Füerwehr, de mutt ok veel lehrn,
so steiht dat oft to lesen;
denn gegen Füersbrunst sik wehrn,
is niemols eenfach wesen.
De Füerwehr musse ok marscheern,
de Hauptmann harr al ropen;
nich jeder de dat altogeern,
doch alle keemen anlopen.
Ok Heine harr schon allens an –
bit op de Schullerrehm.
Noch nie harr he bi´n Füerwehrmann
al disse Rehm mol sehn.
Hört nu dat Ding vun rechts nah links,
oder hört dat anners rum?
Dat is doch een verflixtet Dings,
dat is doch wirklich dumm!
Mit eenmol full em dat denn in:
Wo harr´k bloots mien Verstand?
Denn in´e beste Stuuv dor binn
hangt Hitler an´e Wand!
Un he hett ok so´n Brunhemd an.
Dor kann ik dat denn sehn.
Genau as bi een Füerwehrmann
schall sitten disse Rehm.
He stellt sik vör dat Bild geschwind,
hokt in de Rehm ganz schnell,
un denn op Rad – gau as de Wind –
un melle sik to Stell.
De Hauptmann fohr em fünisch an:
Minsch, Hein, du büst nix wert!
Du büst een hellisch Füerwehrmann
un hest de Rehm verkehrt!
Mien Schullerrehm schon richdig sitt,
bloots du, du büst nich klook,
denn ganz genau so wie as ik
hett Hitler de doch ok!
Een Bild is fast as wie een Speegel,
sühst allens ümdreiht in de Regel,
un manchmol süht dien eegen Schnuut
in´n Speegel ganz, ganz anners ut.